Service als Content – Ein gutes Beispiel und ein Masterplan

Service als Content – Ein gutes Beispiel und ein Masterplan

Dass sich viele Verlage ungern an geänderte Bedingungen Ihres Biotops, nämlich neue Lesegewohnheiten, Leseransprüche und technische Möglichkeiten anpassen, hat Sybille Berg („Die Welt dreht sich, die Medien bleiben stehen„) gerade wieder schön beschrieben. Nun kommt ausgerechnet aus diesem vermeintlichen Dinosaurier-Lager ein klasse Beispiel, wie man eben doch Mehrwert – sogar in Printform – anbieten und vermarkten kann – ein Musterbeispiel für „Service als Content“. In Zeiten, in denen Links nur noch zählen, wenn sie freiwillig gesetzt wurden, und in denen die Benutzerzufriedenheit mit einer Seite als Ranking-Faktor in Frage kommt, wird diese Art von Inhalten auch Online wertvoller denn je.

Zugegeben, die „hotspot Verlag GmbH“ aus Würzburg hat mit „Website-Boosting“ eines der Internet-affinsten Printmagazine im Programm. Da sich Bestsellerautor („Website Boosting“) und Wirtschaftsinformatiker Prof. Mario Fischer  intensivst mit Website-Optimierung, Inhalten, Gefunden werden & Co beschäftigt, ist vielleicht nicht allzusehr verwunderlich, dass gerade dieser Verlag ein innovatives Serviceangebot für seine Print-Leserschaft einführt: „Ask Google – Haben Sie Fragen an Google?“

Der Verlag hat sich eine „exklusive Kooperation“ mit Google einfallen lassen, die ihm bevorzugten Zugang zum Google Team erlaubt. Nun bietet der Verlag seinen Lesern an, Fragen einzusenden, die dann gefiltert und redaktionell geschliffen weiter an Google gehen. Die Antworten werden daraufhin in der Printausgabe veröffentlicht (angekündigt ab Ausgabe 21/Ende August 13). Wie jeder Website-Betreiber weiß, ist es schwierig, Fragen direkt von Google beantwortet zu bekommen. Der Service bietet also echten Mehrwert, geht auf einen Engpass der Zielgruppe ein und wird die Neugier auf die Print-Ausgabe des Magazins sicher erhöhen.

Ich hatte schon im Artikel „Alle reden von Content…“  Jeff Jarvis mit dem Rat zitiert: „Öffnen Sie sich dem Service-Business, in dem Inhalt ein Werkzeug unter mehreren ist, um dem Publikum Service zu bieten“. Jeff Jarvis, der Autor von „Was würde Google tun“ und der gern „in der Uniform des Intellektuellen oder des Totengräbers“ (SZ) den Tod der Printbranche prophezeit, trifft hier einen wunden Punkt.

Ein Masterplan auch für online:
Service als Content

Der Masterplan, um „Service als Content“ anzubieten – und das gilt für Online genauso wie für Print – könnte etwa so aussehen:

  1. Finden Sie Problemfelder, die für Ihre Leser/Besucher online nicht ohne Weiteres zu lösen sind
  2. Wählen Sie Problemfelder, in denen Sie selbst eine gewisse Grundkomptenenz besitzen
  3. Optional und ideal: Holen Sie von Ihren Nutzern Fragen zu diesen Problemfeldern ein
  4. Sammeln, kanalisieren, redigieren Sie mit Ihrem Fachwissen die Fragen und holen Sie sich kompetente Antworten/Unterstützung dazu – nutzen Sie Beziehungen, Partnerschaften, Ihre Reputation, Ihre Kompetenz
  5. Ordnen Sie Fragen und Antworten, erklären Sie ggf. Fragestellungen und ergänzen ggf. Antworten – und veröffentlichen Sie diese

Diese Strategie ist natürlich nicht neu. So bietet „Website Boosting“ schon länger Exklusivinhalte, die z.B. aus Interviews gewonnen werden, etwa mit Google’s Spamfighting Team oder dem Team von Google Hamburg. Konsequent kommuniziert Website-Boosting dabei, dass gerne auch Fragen der Besucher „mitgenommen“ werden und fordert zum Einsenden solcher Fragen auf. Andere erfolgreiche Magazine setzen natürlich genauso auf Service als Inhalte: Interviews, Infografik, Fach-Specials u.v.m.

Kiosk in Wuppertal
Echte Orientierung zu Trends der Zeit – Damals wie heute gefragt (Kiosk in Wuppertal, Bundesarchiv)

Warum sollten nicht auch Blogger und der gewöhnliche Website-Inhaber auf Service als Content setzen? In Zeiten, in denen Links nur noch zählen, wenn sie freiwillig gesetzt wurden, und in denen die Benutzerzufriedenheit mit einer Website als Ranking-Faktor in Frage kommt, wird diese Art von Inhalten für jede Online-Marketing- und Content-Strategie wertvoller denn je.

So entsteht also Service als Content: Aus der Orientierung an den Fragen und Problemen der Zielgruppe, aus einer serviceorientierten Haltung und unter Einsatz einer doppelten Kompetenz, nämlich journalistischer und themenspezifischer. Das wird sogar im Medium Print funktionieren.

Lassen wir Jeff Jarvis hier nochmal zu Wort kommen, der advocatus diaboli und Vordenker:

Was zählt, sind nicht Zeitungen. Was zählt, sind Nachrichten und der Journalismus. Und wie sie der Gesellschaft dabei helfen können, ihr Wissen zu organisieren, um sich selber besser zu organisieren. So würde ich Journalismus definieren.

Der Journalist als, Moderator, aber als gut vorbereiteter.

Die schlechte Nachricht: Ohne Arbeit und Standing geht nichts.

Die gute Nachricht: Diese Art von Qualitätsinhalten darf sogar etwas kosten.

Quellen/Links:
Website-Boosting: Fragen an Google stellen
Jeff Jarvis/Spiegel Online: Journalisten sind Dienstleister, keine Monopolisten
SZ über Jeff Jarvis: Ich habe nichts gegen Bücher

Bild Kiosk: Bundesarchiv, B 145 Bild-F009687-0002 / Unterberg, Rolf / CC-BY-SA, via Wikimedia Commons

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Kommentare

  1. Sehr schöner Beitrag und per Repost übernommen: http://primweb.de/content-mit-service/

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