Darwin, Pinguin, Google: Anpassen an den Selektionsdruck des Marktführers

Darwin, Pinguin, Google: Anpassen an den Selektionsdruck des Marktführers

Finken stehen bisher mit der Evolutionstheorie in besonderer Verbindung. Spätestens seit April 2011 aber spielt der Pinguin eine nicht zu unterschätzende Rolle – in der virtuellen Ökologie. Google’s neues Algorithmus-Update „Penguin 2.0“ in der vorletzten Maiwoche hat beindruckend klar gemacht, wie ernst Google seine Mission nimmt: Nämlich die, Marktführer und möglichst Monopolist zu bleiben, und deshalb nur Top-Suchergebnisse liefern zu wollen. Google zwingt durch den Selektionsdruck nach eigenen Kriterien (s.u.) die Bewohner des Ökotops zur Anpassung. Ob der Pinguin noch fliegen lernt?

Es liegt natürlich im berechtigten wirtschaftlichen Eigeninteresse von Google, besser als der Wettbewerb zu bleiben in Sachen Qualität des Suchergebnisses. Deswegen bestraft Google konsequent alle, die mit in Google’s Augen „unlauteren“ Methoden die Top-Ergebnisse verfälschen wollen. Der GAU für Google: Suchergebnisse auf Platz 1, 2, 3, die den Suchenden nicht zufrieden stellen (z.B. springt er nach kurzer Zeit ab). Schließlich ist die Qualität des Suchergebnisses entscheidend für die Marktstellung Googles. Sie war von Anfang an das Alleinstellungsmerkmal (Google war z.B. die erste Volltextsuchmaschine, die nicht nur die ersten 250 Zeichen einer Website durchsucht hatte) und ist der eigentliche Markenkern des Medienriesen*.

Je klüger Google noch wird (dank schnellerer Prozessoren, billigerer Massenspeicher, durchsatzstärkerer Leitungen – verbunden mit konsequent nutzerorientiertem Denken), desto weiter reicht der analytische Scharfblick des Suchalgorithmus hinein in das vielfach verflochtene Ökosystem weltweiter Websites. Und es lernt immer besser, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Selektionsdruck** für das Ökosystem vernetzter Websites

Es heißt, ein Albtraum Mark Zuckerbergs sei es, dass über Nacht ein cooleres Soziales Netzwerk auftaucht und Facebook die Show stiehlt. Wahrscheinlich muss man sich so auch den Albtraum bei Google vorstellen: Eine Suchmaschine, die bessere Suchergebnisse liefert und Google den Rang abläuft. Microsoft, Yahoo haben Google wahrscheinlich weniger schlaflose Nächte beschert als Facebook. Wenn es Facebook gelänge, seine Datenbank an Sozialindikatoren zu verknüpfen mit einer überragenden Suchmaschine – das wäre wohl das Ende von Googles Vor- und Marktherrschaft. Oder ein schwarzer Schwan erscheint – ein Anbieter, eine Technologie, ein kreatives Mashup, mit dem keiner rechnet und das so nicht vorhersehbar war. Google muss es wissen: Es war selbst ein schwarzer Schwan**.

Aus dem Gesichtspunkt eines Marktführers, der eine Stellung zu verteidigen hat, ist der Druck, den Google mit seinen kontinuierlichen Updates  auf  Webmaster, Agenturen und Optimierer ausübt nur verständlich – und vorhersehbar – Selektionsdruck für das Ökosystem vernetzter Websites. Der technologisch unterstützte, verbesserte kriminalistische Spürsinn triebt diese Selektion voran: Nur wer liefert, was er verspricht, nur wer ist, was er vorgibt, nur wer beweisen kann, dass er seine Position verdient – nur der wird die Evolution in der Top-Nische der Suchergebnisse überleben.

Wie würde Google versuchen, wertvolle, echte Empfehlungen von weniger aussagekräftigen zu unterscheiden?

Schauen wir uns an, wie Google Selektionsdruck auf dass Netzwerk ausübt in Sachen „Verlinkungen“. Es würde z.B. bestimmte Verlinkungsmerkmale erkennen und bestrafen – wie jetzt mit dem Penguin-Update 2.0 nach etwa folgenden Kriterien:

  1. Wenn Sie viele Links erhalten, die mit dem immer gleichen Linktext verlinkt sind (dass deutet auf selbst organisierte Verlinkungen hin, nicht auf freiwillige Empfehlungen). Das scheint  auch ein Problem für Seiten, die Ihr Keyword gleich im Domainnamen stehen haben – etwa www.sportmode-muenchen.de, verlinkt mit „Sportmode München“ – obwohl dieser Linktext auch bei echten Empfehlungen naheliegt
  2. Wenn Sie viele Links von nur einer Domain erhalten (das deutet auf den veralteten Versuch hin, mit Masse zu punkten), bzw. der Anteil an Links von einigen wenigen Domains (und IP-Adressräumen)  hoch ist im Verhältnis zum Anteil an Links von unterschiedlichen Domains (und IP-Adressräume).
  3. Wenn Sie Links von unlauteren Domains oder schwachen Domains erhalten (z.B. von Seiten, die selbst nicht im Google-Index auftauchen, oder nur einen Pagerank von 0 besitzen)
  4. Falsche, irreführende Linktexte
  5. Seiten, die viele Links mit ähnlichen „Money Keywords“ erhalten – „Money Keywords oder Money Keys sind Schlüsselwörter , die sich durch ein besonders hohes Suchvolumen und entsprechend im SEA durch hohe Klick-Kosten (CPC) auszeichnen. Von Money Keys verspricht sich Unternehmen einen höheren Umsatz, wenn es damit gefunden wird.“**** Also: „Billigflug“, „Wellnesshotel“, „Ratenkredit“ …
  6. Links aus Blog-Kommentaren, Google „riecht“ es, wenn Kommentare nur aus der Absicht der Linksetzung heraus gepostet werden
  7. Gekaufte Links (das scheint aber nicht zu automatischen Abwertungen wie Penguin zu führen, sondern zu manuellen Abwertungen, laut *****)

Was tun, um die Qualität eingehender Links zu verbessern?

Alles ist eine Frage der Verhältnisse. Wenn Ihre Seite unter den aktuellen Google-Updates leidet, sehen Sie sich Ihre eingehenden Links an und entscheiden, welche eventuell negativ bewertet werden könnten. Ein Kombination aus mehreren der obigen Merkmale macht die Sache natürlich nicht einfacher. Und ob es hilft, sehr viele Links hektisch zu löschen, ist die andere Frage. Eventuell ist die Mischung aus dem Entfernen einiger verdächtiger/schwacher Links und der Variation der Linktexte  (soweit Sie die Webmaster der verlinkenden Sites erreichen können) der bessere Weg.

Quellen, Details, empirische Grundlagen sind u.a. hier nachzulesen:

  • * „In this paper, we present Google, a prototype of a large-scale search engine which makes heavy use of the structure present in hypertext. Google is designed to crawl and index the Web efficiently and produce much more satisfying search results than existing systems. The prototype with a full text and hyperlink database of at least 24 million pages is available at http://google.stanford.edu … Google is designed to be a scalable search engine. The primary goal is to provide high quality search results over a rapidly growing World Wide Web. Google employs a number of techniques to improve search quality including page rank, anchor text, and proximity information. Furthermore, Google is a complete architecture for gathering web pages, indexing them, and performing search queries over them.“ – The Anatomy of a Large-Scale Hypertextual Web Search Engine, 1994
  • ** Selektionsdruck bezeichnet die Einwirkung (den „Druck“) eines Selektionsfaktors auf eine Population von Lebewesen. Selektionsfaktoren sind Umweltfaktoren, die einen Einfluss auf das Überleben einer Population in einer bestimmten Umwelt haben. Besonders im englischen Sprachraum wird dafür auch synonym (aber nicht ganz korrekt) der Begriff evolutionary pressure (dt. Evolutionsdruck) verwendet…
  • *** nach N.N. Taleb, dem Erfinder des Begriffs
  • **** http://glossar.xeit.ch/money-keywords-money-keys
  • ***** http://www.seokratie.de/google-penguin-update-rueckschluesse/
  • Foto: Ben Tubby (flickr.com) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons
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