Referrer-Spam bekämpfen: Manuell oder mit Online-Tools?

Referrer-Spam bekämpfen: Manuell oder mit Online-Tools?

Der Stand der Dinge zu Google Analytics Referrer Spam

Seit Ende 2014 schon gab es in Google Analytics aussehende Anstiege von Besuchern und Seitenaufrufen. Leider war das keine gute Nachricht: Beim genaueren Hinsehen fiel auf, dass diese Besucher nur die Startseite aufriefen und sofort wieder verschwanden. So stieg die „Bounce Rate“ gleich mit.

Hier eine kurze Zusammenfassung und einige Tipps zum aktuellen Stand zu „Referrer Spam“ – für manuelles Vorgehen in Analytics und warum die Verweis-Ausschlussliste nicht der richtige Weg ist – ebenso wie für drei praktische Online-Tools.

Ein Blick auf die Herkunft der vielen Besucher verriet, dass sie von Seiten wie buttons-for-website.com, bestwebsitesawards.com oder von Spidern wie semalt.com kamen. Tatsächlich haben diese Besucher die Website nie besucht und Links von diesen auf Ihre Seite existieren in der Regel auch nicht. Bei den angegebenen Traffic-Quellen und Besuchern handelt es sich um Fälschungen. Angegriffen wird aber nicht die Website, sondern direkt das Google Analytics-Konto – dem Webanalyse-Tool werden die entsprechenden Besucher nur vorgetäuscht.

Zwei gute Nachrichten bei allem Ärger: Es handelt sich in diesem Fall nicht um Malware, die etwa auf Ihre Website oder Ihren Webserver eingeschleust wurde. Und soweit bekannt hat dieser Geister-Traffic keine Auswirkung aufs Ranking in Google.

Vergleich von Besuchen mit Spam ausgeblendet
Vergleich von „Alle Besuche“ (blau) mit Segment “Spam ausgeblendet” (orange). Ab 1. Dezember waren hier Filter für die Datenansicht eingerichtet.

Was steckt dahinter? Viele Blogger haben darüber geschrieben. Hier ein Zitat von netz24.biz:

Als-Website-Betreiber ist man natürlich neugierig und schaut sich die Referral-Quellen an. Wer das tut, wird sofort auf eine Shoppingseite weitergeleitet – inklusive Affiliate-ID. Die Betreiber wollen durch Verkaufsprovisionen also offenbar schnelles Geld machen. Durch das Besuchen von Seiten wie Amazon.com wird beim Besucher ein Cookie hinterlegt. Bestellt dieser  innerhalb von 24 Stunden nach dem Besuch dort etwas, bekommen die Affiliates eine Provision gutgeschrieben. Man kann sich ausmalen, wie lukrativ das Geschäft ist, wenn millionenfach mit Referral Spam Besucher angelockt werden.

Ein Kommentar zu einem Blogartikel spricht aus, was viele sich denken:

Ich finde es einen Skandal, dass Google nicht einschreitet. … Wieso tut Google hier nichts? Diese Leute zerstören einen elementaren Teil von Google – oder will Google die Leute gerne ins AdWords drängen. Dort ist die Statistik ja sauber.

Was man gegen Referral Spam tun kann

Das »Aussperren« der unechten verwei­senden Seiten z.B. per .htaccess (Angaben für den Webserver) oder robots.txt (Angaben für Suchroboter) funk­tio­niert in den meisten Fällen nicht, da die Spammer ja die Seite nie besuchen.

Die Methode, die Besuche mit der Einstellung „Bots herausfiltern“ in der Datenansicht in Google Analytics auszuschließen, funktioniert leider auch nicht wirklich.


Methode 1: Verweis-Auschlussliste

Man kann die entsprechenden Spam-Domains in die sog. Verweis-Ausschussliste eingetragen – via: Verwalten > Property > Tracking-Informationen > Verweis-Ausschussliste. Die Liste muss fortlaufend geprüft und angepasst werden. Von dieser Methode wird z.B. von Mike Sullivan abgeraten, weil der Ausschluss vieler Domains aus dem Traffic über „Verweise“ dazu führen kann, dass Besuche von diesen Domains stattdessen als „Direkter“ Traffic angezeigt werden. Hier seine ausführliche Begründung.

Methode 2: Filter – wirken sich auf zukünftige Daten aus

Man kann in einer neuen Datenansicht Filter einrichten, die den Spam in Zukunft ausfiltern – er taucht dann in den Daten dieser Datenansicht nicht mehr auf. Deshalb sollte die Filterung nicht in der Standard Datenansicht erfolgen. Es ist „Best Practice“, zumindest über eine ungefilterte Datenbasis zum Rückgriff bei evtl. Problemen oder anderen Analysen zu verfügen.

Die Filterung löst auch das Problem, dass zum Beispiel praktische CMS-Plugins zur schnellen Übersicht wie „Analytify“ in WordPress oder in das „Google Analytics Dashboard Widget“ in MODX zu hohe Besucherzahlen und Seitenaufrufe anzeigen.

Methode 3: Segmente – Wirkt sich auch auf bestehende Daten aus

Mit Segmenten auf Datenansichtsebene können auch bislang aufgelaufene Daten von den gefälschten Besuchen und Seitenaufrufen bereinigt dargestellt werden.

Segmente in Google Analytics
Einschliessende und ausschliessende Segmente anlegen unter Datenansicht / persönliche Tools und Assets / Segmente

Wie die Methoden genau funktionieren, ist mehrfach beschrieben worden. Ausführliche Hintergründe und Anleitungen dazu finden Sie zum Beispiel bei

Methode 4: Automatische Filterinstallation und Segmentimport mit Online-Tools

Erstes Tool:

Das Tool referrerspamblocker.com einer niederländischen Agentur bietet seit Juli 2015 einen Online-Service, der Filter automatisch installiert auf ausgewählten Datenansichten.

Es werden auf Kontoebene mehrere Filterlisten mit regulären Ausdrücken angelegt und diese Datenansichten zugeordnet. Die regulären Audrücke mit Ausschlusslisten folgen der Methodik, ,wie man es auch in Methode 2 manuell machen würde (Ausschnitt):

.*0n-line\.tv|.*100dollars-seo\.com|.*4webmasters\.org|.*rankscanner\.com|...

Man muss dazu im gleichen Browser in seinem Google-Konto angemeldet sein. Auch Segmente können automatisch über das Tool in Analytics importiert werden.

Updates zu den Filtern werden über diesen Twitter Account gepostet: https://twitter.com/gaspamblocker – auch diese können einfach importiert werden.

Filterlisten Referralspamblocker
Filterlisten, die vom Referralspamblocker über die Google API automatisch angelegt wurden

Google erlaubt referrerspamblocker.com nur 2000 Schreibvorgänge pro Tag, deshalb kann die Nachricht erscheinen, „Not enough calls left to run today. Please try again tomorrow“.

Meine Erfahrungen auf eigenen Seiten mit dem Tool sind bislang gut.

Weitere Online-Tools:

Ein weiteres Online-Tool zum Import von Filtern und Anlegen von Segmenten schlägt Scott Hendison in seinem Video (nach einer Demonstration des manuellen Filteranlegens, ab ca. Min. 2:12) vor:

Hier der Link zu diesem Anti-Referrer-Spam-Tool

Scott Hendison bezieht sich auf das von Simo Ahava entwickelte Tool „Spamfilter“, das es ebenfalls hier online gibt.

Fazit: Google Analytics ist eines der wichtigsten Tools für Websitebetreiber. Solange Google das Problem nicht selbst löst, müssen die Methoden 2 und 3 (4 mit Vorsicht) am besten in Kombination angewendet werden, wenn man eine verlässliche Datenbasis für Analysen erhalten möchte. Auf jeden Fall sollte eine ungefilterte Datenansicht als Reserve behalten werden. Segmente können darauf immer noch angewendet werden.

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