Der Keyword-Dschungel und ein Ansatz zur Aufklärung

Der Keyword-Dschungel und ein Ansatz zur Aufklärung

Denn Keyword Recherche ist weit mehr als SEO

Keyword Recherche wird oft nur als eine Aufgabe unter anderen im Rahmen der Suchmaschinenoptimierung (SEO) gesehen. Neil Patel, nach Forbes.com (und auch nach meiner Einschätzung) einer der 10 besten Online-Marketer der Welt, legt in einem aktuellen Artikel auf seinem Blog Wert darauf, dass es bei Keywords um weit mehr geht als um SEO.

All Online-Marketing-Disziplinen bauen, so Patel,  auf Keyword-Recherche auf. Sie klärt, woher der organische Suchtraffic stammt und wo weiterer „abgeholt“ werden kann. Keyword-Recherche ist, so Neil Patel, die Blaupause für alle Content-Aktivitäten und Kampagnen, sie liefert Grundlagen für jede einzelne Entscheidung.

Wenn das Internet heute nach verschiedenen Statistiken der wichtigste Kanal ist, um Menschen zu erreichen – noch vor dem Fernsehen und weit vor Print – dann sind Keywords – und insbesondere Long-Tail-Suchanfragen – die Sprache dieses digitalen Marktes, und die Keyword-Recherche ist eine der wesentlichen Methoden, um mit diesem 100-Millionen-Markt (deutschsprachiges Internet) in Kontakt zu kommen und auch zu bleiben.

In diesem Artikel geht es mir darum herauszufinden, warum Keyword-Analyse und -Recherche in der Praxis trotz ihrer Bedeutung oft vernachlässigt und manchmal als frustrierend empfunden wird. Dann verderben unter dem Strich unbefriedigende Ergebnisse in Bezug auf Traffic und Conversions fatalerweise die Motivation zu weiterer Recherche im so empfundenen „Keyword Dschungel“.

Verwirrung bei der Keyword-Recherche

Auf die Keyword-Recherche und ihr Frustrationspotential passt ein Aphorismus des französischen Literaten Paul Valéry:

“Everything simple is false. Everything which is complex is unusable.”

Keywords, das Suchverhalten, die Algorithmen von Google – hier mischen sich Technologie, Marketing und Psychologie zu einer komplexen Thematik mit ständiger Veränderung. Verständlicherweise ist sie für Menschen, die sich nicht täglich damit auseinandersetzen, kaum zu durchschauen.

In diesem Umfeld verzichten viele Firmen schon auf die erstmalige und erst recht auf die regelmäßige fundierte Keyword-Recherche.

„Most websites today are targeting the same, fairly limited set of keywords that comes from Google Keyword Planner“ https://keywordtool.io/pro

Wenn man Website-Inhaber nach den Keywords befragt, mit den sie gefunden werden möchten, kommen manchmal Begriffe wie „Coaching“, „Personalberatung“, „Sensortechnik“, „Autopflegeprodukte“… Das Verständnis, dass man diese Begriffe nicht mehr irgendwo „versteckt hinterlegen“ und mit Tricks „pushen“ kann wie vor 10 oder 15 Jahren ist zwar inzwischen da. Aber was die Alternative ist, bleibt erst einmal unklar. Wer Glück hat, kann mit der lokalen Komponente arbeiten: „Autopflegeprodukte Frankfurt“ – aber selbst hier ist die Konkurrenz für die heiß begehrten Google Top-3 groß.

Der Rückgriff auf die verschiedenen „Keywordtools“ wie den Google Keyword Planner oder auf Keyword-Generatoren wie ubersuggest.com hilft nicht weiter, so lange Missverständnisse und Unklarheiten über die Wichtigkeit und Rolle von Keywords existieren.

Keyword-Dschungel? Ein Ansatz zur Aufklärung

Vielleicht macht zur Aufklärung der Unübersichtlichkeit eine Analogie Sinn – nämlich die zu einem sehr menschlichen Phänomen, das Sprachwissenschaftler als Gleichsetzung von Landkarte und Landschaft beschreiben.

Die Gleichsetzung von Landkarte und Landschaft (englisch: map and territory) ist eine Abkürzung, die das menschliche Gehirn sehr gern nutzt – es liebt Vereinfachungen. Wenn man die Differenz zwischen dem Konzept Landkarte und der Realität Landschaft aber „vergißt“, kann diese Gleichsetzung zu schweren Fehlentscheidungen führen. Keywords sind unsere Such-Konzepte und „Landkarten“, während die realen Sucheingaben der User und erst recht die realen Texte und Themen einer Website  in diesem Fall die Landschaft sind – die real erfahrbare Wirklichkeit sind. Keywords sind – wie Landkarten – verkürzt, vereinfacht und manchmal ungenau. Keywordrecherche kann sich deshalb anfühlen wie eine Irrfahrt auf hoher See. Und ein einmal gefundenes Keyword-Set kann sich später als überholte Landkarte erweisen.

„Die Landkarte ist nicht die Landschaft, aber wenn die Landkarte der Struktur der Landschaft ähnlich ist, ist sie brauchbar“. https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Korzybski

Im Ergebnis wird der Sprung von ersten brauchbaren Keywords zu einer wirklichkeitsnähreren Keyword-Recherche und Content-Strategie oft übersprungen. Damit verschwenden viele Firmen-Websites, Blogs und Shops Energie, Zeit und Geld auf frustrierende Ergebnisse. Sie verschenken großes Potential – im schlimmsten Fall verlieren sie Marktanteile. Wie hilft uns die Analogie nun weiter?

Keywords: Die Sprache des digitalen Marktes –
Kontakt zu 100 Millionen Menschen

Wenn Keywords die Sprache des digitalen Marktes sind, dann halten wir mit Keyword-Recherche das Ohr am Markt.  Neil Patel formuliert das so:

„Keyword research is how we keep our ears to the ground – Can you afford to fall out of touch with your audience?“

Keyword-Analyse und Keyword-Recherche bilden Entscheidungsgrundlagen für das Content-Marketing auf verschiedenen Kanälen, von Google über Facebook, YouTube, Instagram … Und sie ist ein Wettbewerbsvorteil: Mit der richtigen Keyword- und davon abgeleitet Content-Strategie ist man dem Wettbewerb wahrscheinlich einen Schritt voraus – ohne sie fällt man auf jeden Fall zurück.

In today’s global economy, listening to your customers requires opening lines of communication, creating trust, asking the right questions, making accurate assessments of the situation and responding intelligently.

Eine Marketing-Strategie und im speziellen eine Website, die auf Basis einer Keyword-Recherche aufgebaut wird, kann sich stark unterscheiden von einer klassisch konzipierten Strategie bzw. Website. Ihre Begriffe, ihre Struktur und Navigation, ihre emotionalen und thematischen „Hooks“ werden anders gestaltet sein und sich zu einem Teil auch inhaltlich unterscheiden.

Gute Keyword-Recherche macht den Trichter (englisch „Funnel“) breiter, über den die relevanten, qualifizierten Menschen aus dem 100-Millionen-Markt Sie antreffen und erreichen können. „Märkte sind Gespräche“… auf Basis der Keyword-Recherche entscheidet sich, ob die Website Teil dieses Marktes werden kann.

Die Keywordrecherche sollte ihrer Bedeutung und ihren Möglichkeiten nach entsprechend als strategische Aufgabe für’s Management angesehen werden – sie muss dabei nicht kompliziert und zeitaufwändig sein. Neil Patel zeigt, wie eine Keyword-Research in 60 Sekunden zu ein paar wichtigen Ergebnissen führen kann.

Vom Konzept „Keyword“ zur realen Suchwirklichkeit

„Keywords“ sind ein Konzept, konkrete Suchanfragen sind die Realität. Es ist gut, diesen Unterschied im Hinterkopf zu behalten, wenn man per Keyword-Recherche die Überschneidungen zwischen beiden sucht. Dann wird auch klarer, was Keyword-Tools eigentlich können, etwa der Google Keyword-Planner: Sie sind eher Kompass für die Long-Tail-Keyword-Recherche als Zielpunkte für die konkreten Suchanfragen (dazu mehr unten).

Atlantik Kolumbus Karte

Navigation mit Hilfe Künstlicher Intelligenz: Kolumbus sucht mit dem Keyword „Indien“ (das Konzept in seinem Kopf). Google versteht es als Konzept, und  nicht als wörtliche Frage. Google weiß u.A. aus der Suchhistorie, dass Kolumbus schon nach „Westlicher Seeweg“ gesucht hatte, und dass er in der Realität auf Amerika treffen würde, wo es nach Googles Knowledge Datenbank möglicherweise Gold und Sklaven gibt, was Google wiederum als Suchintention bei Kolumbus vermutet … Die obige Karte von Paolo Toscanelli hat Kolumbus in der Vorbereitung tatsächlich genutzt, laut Wikipedia. Künstliche Intelligenz gab es 1492 noch nicht, Kolumbus hat „Indien“ trotzdem erreicht.

Was kann Keywordrecherche leisten?

Ein Kompass ist für Kapitän und Navigator, nicht für die Mannschaft: Keyword-Recherche muss von Marketing-Zielen und von Management-Vorgaben ableiten. Mit definierten Zielen kann sie Fragestellungen beantworten wie:

– Welche Begriffe und Themen werden wie häufig gesucht?
– Wie viele Menschen sprechen wie über meine Marke, über mein Produkt?
– Nach was / mit welchen Begriffen wird in meiner Branche, in meiner Nische gesucht?
– Welche Keywords verwendet mein Wettbewerb? Welche bringen ihm Traffic?
– Welche Fragen kursieren im Markt, in meiner Branche / Nische?
– In welcher Nische lohnt es sich, mich online zu engagieren?
– Welche Themen und Keyword-Phrasen eignen sich für eine Long Tail Keyword-Optimierung?

Keywords: Klassische Fehler

Viele Seitenbetreiber gehen so vor, wenn es um die Keywords gilt, für die man Traffic erzielen möchte:

  1. ein paar Keywords, die zum Angebot passen (zum Produkt, zur Leistung)
  2. und mit hohen Suchvolumen
  3. ???

Wenn die ersten beiden Punkte erfüllt sind, der zweite vielleicht noch per Google Keyword Planner geprüft, dann sollen die Seiten dafür optimiert werden.

Leider falsch!

Warum?

  1. Suchbegriffe sollten zum Angebot passen, ja. Aber sie sollten berücksichtigen, wie Ihre potentiellen Kunden darüber sprechen. Finden Sie Suchbegriffe, die aus Kundensicht naheliegend sind. Holen  Sie die Menschen mit Problemstellungen und Themen (also mit „Content“) ab, für die Ihre Angebote Lösungen bieten.
  2. Weil Suchbegriffe mit hohem Suchvolumen in der Regel umkämpft sind und die vorderen Plätze oft von starken Marken, von Wikipedia, Verlagen oder Vergleichsportalen belegt sind. Diese Suchbegriffe erfordern einen verhältnismäßig hohen Aufwand. Wenn Ihre Seite noch wenig Autorität hat und wenige hochwertige Backlinks, ist das in der Regel der falsche Ansatz.
  3. Weil Punkt 3 nicht beachtet wurde: Das Suchinteresse. Selbst wenn Sie in den Top 10 ranken für hochvolumige Suchbegriffe, können Sie damit zwar Besucher anziehen, aber einige davon werden Ihre Seite gleich wieder verlassen. Wer eine Kaufabsicht hatte, wird eine eher informative Seite wieder verlassen. Wer sich erst mal informieren wollte, wird eine Produktseite eines Shops zunächst ohne Conversion verlassen. Hochvolumige Suchbegriffe bringen weniger tatsächlich Interessierte auf Ihre Seite, als es den Anschein haben mag.

Keywords: Missverständnisse und Denkfehler

Es gibt ein paar verständliche Mißverständnisse und Denkfehler, die die Keywordrecherche schwierig erscheinen lassen und die die Entwicklung von Keyword-Strategien definitiv erschweren:

  • Google Keyword Planner: Dieses in einem Google-Account kostenlos nutzbare Tool liefert seit August 2016 keine exakten Werte mehr. Da Google ähnliche Begriffe zusammenfasst und Synonyme in die Zahlen einfließen, ist eine Abschätzung des exakten Suchtraffics für konkrete Suchformulierungen nicht mehr ohne Weiteres möglich (Ausnahme: Kunden mit höheren Adwords-Budgets erhalten noch genauere Daten). Auch sind die Keywordvorschläge, die der Keyword Planner anbietet, eher auf Adwords-Anzeigen ausgelegt. Sie bevorteilen Keywords, bei denen ein Anzeigen-Klick wahrscheinlicher ist. Dennoch sollte man den Keyword-Planner durchaus ernst nehmen als ein Ausgangspunkt (und nicht Endpunkt) für die Long-Tail-Keyword-Recherche (dazu mehr unten).
  • Fokussierung auf zu wenige Keywords: Oft verwenden Ihre Zielgruppen andere Begriffe, als Sie zunächst vermuten oder auf die Sie per Überlegung kommen würden. Der beste Weg, um diese Suchbegriffe zu erfahren, ist es Ihre Kunden zu befragen, womit sie nach Ihnen suchen würden. Auch die Frage, welche Probleme des Kunden Sie lösen, führt zu Keywords, die Ihre Kunden verwenden könnten. Auch der Blick ins eigene Analytics ist wichtig: Womit werden Sie bereits gefunden? Kann man bereits rankende Seiten stärken und weitere naheliegende Begriffe inhaltlich bedienen? Auch der klassische Thesaurus hilft weiter, http://synonyme.woxikon.de/ oder https://www.openthesaurus.de/synonyme/Synonymwörterbuch.
  • Fokussierung auf zu kurze Keyword-Phrasen: Suchformulierungen mit ein oder zwei Worten können zwar den meisten Traffic bringen – aber nur dann, wenn man entsprechend weit oben gelistet ist. Dafür ist in der Regel eine Site nötig, die das Vertrauen von Google bereits gewonnen und über einige Zeit bestätigt hat. In umkämpften Märkten ist eine TopPosition entsprechend mit hohem Aufwand für Inhalte und Marketing verbunden. Top 1-10 Positionen zu Ein-, zwei- oder drei-Wort-Suchanfragen gelingen mit vertretbarem Content- und SEO-Aufwand etwa in Verbindung mit regionalem Bezug, soweit nicht gerade eine Großstadt und umkämpfte Märkte wie Versicherung, Finanzen, Reisen angepeilt sind.
  • Fokussierung auf hohe Suchvolumen: Für Suchbegriffe mit hohem Suchvolumen sind Top-Platzierungen schwerer zu erreichen (siehe oben). Das erhöht zudem für Google die Bounce- bzw. Absprungrate, ist also ein Signal, das Ihnen nicht weiter nach oben hilft.
  • Unterschätzung des „Long Tail“: Der Begriff „Long Tail“ bezeichnet Sucheingaben mit vier, fünf und auch wesentlich mehr Suchworten, die jede für sich zwar nur selten eingegeben werden, in ihrer Menge aber für oft 50% des Seitentraffics oder mehr sorgen können. Bei Amazon sollen solche Keywords für 57% der Verkäufe sorgen. Beispiel Produktsuche: „Adidas Spezial Sportschuhe 44 rot“ ist eine solche „Long Tail“ Suchanfrage, die sicher eine hohe Conversion-Rate hat. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich eine genau passende Angebotsseite in den Suchergebnissen oben findet und der Besucher bestellt – weit höher als bei einer Suche, bei der er nur „Sportschuhe“ eingegeben hat. „Long Tail“-Suchen führen den Suchenden spezifischer zu einem Angebot und werden deshalb auch immer beliebter. Auch der Trend zur mobilen Suche per Spracheingabe verstärkt den „Long Tail“-Anteil. Diese Art von Anfragen wird nicht nur für die Produktsuche gern genutzt. „Wie funktioniert Keyword-Recherche im Jahr 2017“ könnte eine weitere Long-Tail Suchanfrage sein. In der Regel haben Sucheingaben ab vier Worten Länge weniger Wettbewerb und konvertieren besser als kürzere.

Short- und Long-Tail Suchanfragen

Long-Tail Keyword-Recherche – Schwierigkeiten und Lösungen

Die Recherche nach Long-Tail-Keywords gilt für manche aktuell als heiliger Gral des Content Marketing. Sie hat allerdings einen Haken: Die Keyword-Tools liefern dazu nahezu keine Suchvolumina, 0-10 monatliche Suchen … das klingt nicht vielversprechend, und die verschiedenen Suchvariationen lassen sich wegen des geringen Suchaufkommens schwer vergleichen bzw. bewerten.

Dem steht zum Einen gegenüber, dass die wenigen Besucher über solche Anfragen wohl genau die Information oder das Produkt gesucht haben, was Sie bieten und dass es mit großer Wahrscheinlichkeit qualifizierte, für Sie interessante Besucher sind.

Zum Anderen wird Google bei entsprechender Inhaltsqualität das Thema Ihrer Long Tail-orientierten Seite erkennen und sie für Suchanfragen in ähnlichem Kontext ebenfalls als Ergebnis anzeigen.

Das meistgenannten Tools für die Long-Tail-Keyword-Recherche sind aktuell Keywordtool.io und Longtailpro. Ein kostenloses Tool ist suggestit.de oder auch ubersuggest. Beide Tools bieten im kostenlosen Tarif Long-Tail-Keywordideen, aber ohne Zahlen dazu.

Zahlen zum Suchvolumen sind hier auch nicht unbedingt sinnvoll: je spezieller und konkreter formuliert eine Suchanfrage ist, desto geringer das Suchvolumen, desto höher kann aber der Wert eine Besuchers über eine solche Suchanfrage sein.

Es gibt keine „richtigen“ Long-Tail Keywords – nur falsche

SEO-Querdenker Michael Martinez von seo-theory.com spitzt dies sehr treffend zu:

There are no „right“ keywords for the long tail.  Just „wrong“ keywords (keywords with too much traffic).
https://www.quora.com/How-do-you-find-the-BEST-long-tail-keyword-s-for-an-article

Das könnte man als schlechte Nachricht sehen. Ist es aber nicht: Da Google sich nicht mehr sklavisch am bloßen Vorkommen von Worten orientiert, kann eine Seite oder ein Blogartikel auch für eine Suchanfrage ranken, die so nicht wörtlich im Text vorkommt – sondern die mit leicht anderem „Wording“ eine Antwort auf die in der Suchanfrage implizierte Frage bietet.

Zugespitzt: Die „richtigen“ Long-Tail-Suchanfragen kann man nicht finden – auch weil eine Menge davon, die morgen eingetippt werden, bis heute noch nie verwendet wurden. In den Worten von Google selbst:

„Es gib Billionen von Suchanfragen bei Google – Jahr für Jahr. Tatsächlich sind 15 Prozent der Suchen, die wir jeden Tag sehen, neu. Das bedeutet, es gibt immer mehr Arbeit für uns, damit wir die Menschen mit den besten Antworten auf ihre Fragen aus einer großen Bandbreite geeigneter Quellen versorgen können.“
https://www.seo-suedwest.de/2541-google-15-prozent-suchanfragen-neu.html

Dazu kommt, dass sprachbasierte Suchanfragen z.B. übers Smartphone zunehmen und meist länger und komplexer sind als eingetippte Suchanfragen. Dadurch wird der Anteil neuartiger Suchanfragen noch weiter zunehmen.

Es ist also aus zwei Gründen kaum möglich, die „richtigen Long-Tail-Keywords“mit statistischen Methoden und Tools auszumachen:

  • das Suchvolumen ist zu gering für eine statistisch sinnvolle Auswertung
  • viele Suchanfragen der kommenden Wochen und Monate sind bis heute noch nie verwendet worden

Man kann aber Inhalte schreiben, die die Suchanfragen von morgen antizipieren.

Insofern kann man die Keyword-Empfehlungen des Google Keyword Planner, die ja seit August 2016 verschiedene Detailsuchen unter einem allgemeineren Keyword/Keyphrase  zusammenfassen, durchaus als Empfehlung (Kompass / Karte) verstehen, einen ausführlichen Artikel zu Fragen in Zusammenhang mit dem allgemeiner vorgeschlagenen Keyword/Keyphrase zu erstellen.

Oder einen Pfeiler („Pillar“) -Artikel, wie Hubspot vorschlägt, um den herum mehrere kürzere Artikel („Cluster content“) Aspekte des Pfeiler-Artikels mit einer Reihe möglicher Long-Tail-Anfrageformulierungen ergänzen. Das Stichwort dazu ist „Topic Cluster„.

Der Keyword Planner schlägt also nicht konkrete Long-Tail-Keywords vor. Seine Suchvolumina zu Themen und Keyword-Gruppen können als Empfehlung oder Kompass aufgegriffen werden, um Content mit Ausrichtung auf Long-Tail-Suchanfragen zu erstellen.

Keyword-Recherche und unterschiedliche Content-Strategien

Die komplexe Thematik wird noch klarer, wenn man das Thema Keywords nach Projektarten und Marketing-Zielen getrennt betrachtet: Nicht für jedes Projekt taugt die gleiche Herangehensweise. Das Keyword-Set muss für jede Website individuell bewertet werden, um die zur Targetierung geeigneten herauszufinden.

  • So muss die aktuelle „Stärke“ einer Website in die Überlegungen einfließen – eine neu aufgesetzte Website mit frischer Domain benötigt eine andere Keyword- und Content-Strategie als eine Seite mit schon gewachsener Autorität und starkem Backlink-Profil.
  • Nischen-Websites brauchen eine ganz andere Art von Keyword- und Content-Strategie als z.B. B2B-Firmenseiten oder als große Blogs.
  • Die wichtigsten Ausgangspunkte für den Realitätsabgleich der eigenen Keyword-Ideen sind die Suchbegriffe, mit denen man schon gefunden wird, und diejenigen, mit denen der direkte Wettbewerb gefunden wird.
  • Auch für die Long-Tail-Recherche gilt: Content first. Content übersetzt sich hier in Themen , die von Nutzen für potentielle Zielgruppe sind. Auf Basis von Themen kann man dann damit zusammenhängende, passende Long-Tail-Suchanfragen recherchieren und diese in den Content integrieren:

Once you have shortlisted a few ideas for your blog posts, you can then integrate these long-tail keywords into those posts. In short, focus on the quality of the idea first. Then, if it accommodates, integrate the long-tail keywords into them.

Grob eingeteilt lassen sich Content-Strategien etwa wie folgt unterscheiden:

  1. Firmen-Websites, B2B:
    Ergänzung von Angebot/Leistungen mit Blog und Service-Seiten, FAQ, Glossar;
    Erklärungen / Nutzen aufzeigen / Nutzen für den Kunden / Dialogorientierung
    Keywords orientiert an Kundenfragen / Supportfragen / Service-Themen
    Bei Schwerpunkt Neukundenakquise: Breiterer Content-Ansatz
  2. Firmen-Websites, B2C:
    Ergänzung von Angebot/Leistungen mit Blog, Video, FAQ, Glossar, Facebook, Instagram …
    Einfache Erklärungen / Nutzen anschaulich zeigen / Nutzen für den Kunden / Dialogorientierung
    Long-Tail Content für Produkt- und branchenspezifische Themen
  3. Große Blogs, Portale mit viel Content:
    Viel Content für viele Long-Tail Keywords bzw. Long-Tail geeignete Themenseiten (mit Variationen der Long Tail Suchbegriffe in Titel, Überschriften, Zwischenheadlines …). Bei guter Autorität Ergänzung mit Seiten zu höhervolumigen Suchbegriffen.
  4. Shops:
    Hier spielen Produktseiten (Long Tail Landing Page), Kategorieseiten (Medium + Long Tail / Themenseiten) und integrierte Blogs auch für höhervolumige Suchbegriffe (Short + Medium Tail) die Hauptrolle.
  5. Nischen-Websites:
    Keywords mit hohem Suchvolumen, geringer Wettbewerb; ergänzend Long-Tail Keywordvariationen mit sehr geringen Suchvolumen, aber hoher Conversion-Wahrscheinlichkeit
  6. Keywords für Adwords-Anzeigen
    Long Tail Keywords eigenen sich hierzu in der Regel nicht.

Keywordrecherche: weder banal noch einmalig

Keyword-Recherche klingt oft nach einer einfachen und selbstverständlichen, fast banalen Aufgabe. Man kann sich dabei aber leicht in die Irre führen lassen – von Vermutungen und Denkfehlern, genauso wie von einfach erscheinenden Tools wie den Google Keyword Planner.

Gute Keywords und Keyword-Phrasen, insbesondere Long-Tail-Suchanfragen sind aber Gold wert, indem sie besonders wertvollen Traffic auf unsere websites führen.  Als goldene Regel läßt sich dieser Satz festhalten:

If you consistently publish in-depth content around long tail keywords, you’ll see an increase in search traffic, attract paying customers and grow your brand.

Wenn Du kontinuierlich in die Tiefe gehenden Content rund um Long Tail Keywords publizierst, wirst Du einen Anstieg beim Traffic sehen, zahlende Kunden anziehen und Deine Marke ausbauen.

Was die Conversion angeht, sei noch dieses Zitat angefügt – das Verhältnis der Conversions ausgehend von Longtail versus Short Tail – zwei Hauptkeywords – Anfragen entsprach der Pareto-Regel, also dem 80:20

The most significant was a client whose main requirement was to rank for two terms. He believed that all of his customers focused on those two terms as well. An initial report showed that his top 10 terms brought in over half of the site’s overall search referrals. However, when looking at sales generated by search terms,18.6% of conversions were from top 10 keywords. Conversely, 81.2% of the conversions were from hundreds of other search terms outside of the top 10. The 80/20 rule works in reverse, providing a sweet spot of opportunity.
http://www.searchengineguide.com/matt-bailey/keyword-strategies-the-long-tail.php

Nach all diesen Überlegungen kann man Long-Tail-Keyword-Recherche vielleicht einfach so definieren: Antizipation von Suchanfragen mit hoher Konversionswahrscheinlichkeit.

Und das ist dann der Weg, wie man vom Konzept Keywords zu einer realistischeren Landschaft der Suchanfragen des 100-Millionen-Marktes gelangt.

Einige Quellen zu diesem Post:

Why Keyword Research Is the Most Important Part of Digital Marketing


https://moz.com/blog/long-tail-seo-target-low-volume-keywords-whiteboard-friday
https://moz.com/blog/clickstream-data-revolution
https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Korzybski
https://lisacharlotterost.github.io/2016/04/21/Maps-vs-Territory/
https://www.searchenginejournal.com/use-wikipedia-keyword-research/110071/

Long Tail Pro Review: A 6-Step Guide to Finding Profitable Keywords in Any Niche


http://www.searchengineguide.com/matt-bailey/keyword-strategies-the-long-tail.php

Listening to Win in the Global Marketplace


https://research.hubspot.com/reports/topic-clusters-seo

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