Warum Google strenggenommen keine Volltextsuchmaschine mehr ist (Anmerkungen zum Keyword Planner)

Warum Google strenggenommen keine Volltextsuchmaschine mehr ist (Anmerkungen zum Keyword Planner)
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Google hat das seit etwa zehn Jahren existierende “External Keyword Tool” eingestellt. Es war das bislang wohl meistgenutzte Werkzeug zur Keyword-Recherche – ebenso hilfreich für die Planung von Adwords-Kampagnen wie für das Herausfinden und Bewerten von Keywords für die SEO- und Content-Strategie.

Zum neuen Keyword Planner (deutsch, zumindest halb: Keyword Planer) wurde schon einiges geschrieben - Links siehe unten. Mir geht es hier um eine veränderte Sichtweise auf Google, zu der die Änderungen einladen. Denn Google’s wichtigste Datenbasis ist nicht länger der Volltext von Websites oder die Anzahl von Verlinkungen, sondern das Verhalten der Besucher (auch das geografische Verhalten eingeschlossen, also z.B. der Standort).

Anlaß für die veränderte Sichtweise ist eine der inhaltlich interessanteren Änderungen im neuen Keyword Planner: Die angezeigten Statistikdaten zum geschätzten “Suchvolumen” entsprechen jetzt der bisherigen Keyword-Option “Genau passend” (Definition bei Google). Das bedeutet, dass etwa Synonyme des Keywords oder eine andere Reihenfolge innerhalb der Key-Phrase nicht mehr in der Suchstatistik als Suchvolumen berücksichtigt werden.

Die genauere Schätzung der Suchvolumina scheint mir ein Vorteil zu sein: die Bewertung von Keywords / Key-Phrases im Hinblick auf eine SEO- bzw. Content-Strategie wird damit realistischer, schließlich will man Seiten auf “genau passend” zu diesem Keyword/dieser Keyphrase optimieren und deshalb wissen, welches genau den meisten Traffic bringt.

Andererseits täuscht diese schmalere Basis für das Suchvolumen: Denn Google liefert als organische Ergebnisse inzwischen durchaus auch Seiten mit “Weitgehend passenden” Keywords, also mit Synonymen etwa.

Das richtige Keyword ist also weiterhin wichtig, aber sein exaktes Vorkommen im Text wohl nicht mehr Voraussetzung für das Top-Ranking für Google.

Content vs. Keywords – revisited

Das ist vielleicht auch ein Anlass, über das Thema Content vs. SEO bzw. vs. Keywords nochmals neu nachzudenken. Denn nicht nur Content-Marketer und Texter haben etwas gegen Content, der rein für umfangreiche Keyword-Abdeckung erstellt wird.

Online-Marketer Franz Keim hat aus Sicht der Content-Strategen geschrieben:

“Die Keywordrecherche ist sicherlich ein wichtiger Baustein in der Contentstrategie, da sie das Informationsbedürfnis der Nutzer reflektiert und in Daten fasst. Aber sie sollte nicht dazu führen, dass die Priorität in der Abdeckung aller Keywords liegt. “

Auch Google selbst rät explizit zu Qualität statt Quantität bei der Keyword-Auswahl. Etwa dieser Google-Tipp, zu finden unter “Informationen zu den Statistikdaten und Traffic-Schätzungen im Keyword-Planer“:

“Es ist ratsam, bei der Auswahl von Keywords mehr auf Qualität als auf Quantität zu achten. Relevantere Keywords liefern meist bessere Ergebnisse. Durch Keywords mit mehr Suchanfragen oder mehr Wettbewerb erreichen Sie nicht zwangsläufig Ihre Werbeziele”.

Während man mittlerweile davon ausgehen muss, dass Google schwachen Content (wie mehrere ähnliche Seiten zu nur leicht variierten Keywords/Key-Phrases) eher negativ wertet, dann kann man allmählich auch davon ausgehen, dass Google in den organischen Suchergebnissen eine gute (!) Seite zu “Mützen für Frauen” auch auffindet bei einer Suche nach “Mützen für Frauen kaufen” oder “Mützen für Mädchen” (Das Mützen-Beispiel stammt aus den Google-Adwords-Support-Seiten). Gut, das heißt zunehmend Nutzer- bzw, Nutzererwartungs-orientiert (mehr dazu hier).

Wenn sich das bestätigt, würde das den Konflikt zwischen (Old school) SEO und Content Marketing entschärfen und Inhalte können mit mehr Schwergewicht auf Qualität als auf akribisches Abarbeiten von Keyword-Varianten erstellt werden.


Warum Google strenggenommen keine Volltextsuchmaschine mehr ist

Google ist mit den Änderungen der letzten Monate strenggenommen keine Volltextsuchmaschine mehr, sondern eine Suggest-Engine. Also eine Vorschlags-, Beratungs- oder aus kritischerem Blickwinkel auch Bevormundungsmaschine.

Basis der Personalisierung ist nicht nur Google’s Profil meiner Daten als gerade Suchender, sonder auch Google’s eigene Bewertung von Websites. Das heißt, Google verläßt sich bei der Beurteilung und dem personalisierten Ranking nicht mehr länger quantitativ  auf den Volltext und auf die Bewertungen anderer (gewonnen aus Zahl und Herkunft der Verlinkungen), sondern bewertet nun selbst qualitativ auf  Basis des Verhaltens der Besucher.

Besucher, die Google besser kennt als je zuvor und deren fast intime Kenntnis mit dem neuen Registrierungszwang zum Keyword Planner sicher noch zunimmt. Der neue Keyword-Planner: Ein kleiner Schritt für die Adwords-Planung, aber ein großer für Google.

Ist diese Sichtweise übertrieben, oder ziehe ich falsche Schlüsse? Eure Meinung dazu interessiert mich sehr!

Der neue Keyword Planer im Menu unter Tools und Analysen

Tipps und Infos zum Keyword Planner:

  • Anleitungen bei t3n und bei winlocal.de
  • Eine sehr schöne Tabelle zum Vergleich von Keyword Tool und Keyword Planner hat searchenginewatch zusammengestellt.

 

 

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Kommentare

  1. Bingster meint:

    Auch ich hab erst dem Keyword Tool nachgejammert. Wenn man sich aber in den Keyword Planer mal einarbeitet, muss man zugeben, dass es ein paar Funktionen gibt, die im Keyword Tool gefehlt haben. Hier ist eine detaillierte Anleitung, die mir geholfen hat: http://www.cyberpromote.de/blog/google-keyword-planer-als-keyword-tool-nutzen-3480/

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  1. [...] mit einzelnen Worte aus der Suche gescannt. Wie ich schon zuvor in Zusammenhang mit dem Google Keyword-Planer geschrieben hatte: Die Übereinstimmung der Suchworte mit dem Vorkommen bestimmter Worte auf der [...]

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